Leben

Leere Regale, hohe Preise – wie die Briten mit dem Brexit leben


Während das Volk sich über die Ursachen der Misere streitet und sich vor Tankstellen um die letzten Tropfen Benzin prügelt, gibt sich Premierminister Boris Johnson recht gelassen. Auf dem Treffen seiner konservativen Partei, den Tories, beschrieb er gerade ein Land, das vor einer goldenen Zukunft steht. Aber sehen das die Menschen dort ähnlich und welche Rolle spielt der Brexit?

Brexit macht Auslandssemester komplizierter

Lolu Ojo ist 22 Jahre als. Sie ist aus London und hat gerade fertig studiert – der Brexit hat ihr Auslandssemester in Frankreich deutlich komplizierter gemacht, sagt sie: „Als ich mich für die Uni beworben habe, hatte ich immer die EU im Hinterkopf. Und irgendwann wurde mir das weggenommen, bevor ich überhaupt wählen konnte.“ Sie konnte 2016 eben noch nicht für oder gegen den Brexit stimmen – im Gegensatz zu Athi, Irene, Christoph und Maddy.

Wer bezahlt die Versprechungen?

Maddy Redpath ist 26, Ingenieurin und lebt in Guilford im Südosten Englands. Wie sieht sie die aktuelle politische Lage und was hält sie von den Versprechungen des Premierministers? Versprechungen wie höhere Löhne, niedrigere Steuern und mehr Wachstum: „Ich glaube, einige Leute haben das geglaubt. Boris Johnson hat sehr kurze und zugespitzte Versprechungen gemacht“, sagt die junge Frau. „Also glaube ich ihm das alles? Nein. Du kannst all das nicht einfach so versprechen, von welchem Geld denn.“

Mangel an politischer Alternative

Schaut man auf die Umfragen, steht Johnson mit seiner Partei nicht so schlecht da. Maddy denkt, das liege daran, dass es keine starke Opposition in Großbritannien gebe. „Die Labour Partei redet viel Pathetisches ohne Inhalt, Vorwürfe ohne eigene Ideen.“ Sie hat als Ingenieurin einen recht sicheren Job. Aber sie macht sich dennoch Sorgen um die Zukunft: „Der Unterschied zwischen arm und reich wird größer werden. Worauf ich wirklich hoffe, angesichts der Benzinknappheit, ist, dass die Lkw-Fahrer besser bezahlt werden.“

100.000 Lkw-Fahrer fehlen

Das ist eine der Versprechungen von Boris Johnson. Doch noch sind die Fahrer knapp. 100.000 Lkw-Fahrer fehlen in Großbritannien. Athi Arumugam ist 34 Jahre alt und arbeitet in der Großstadt Milton Keynes im Vertrieb. Als Lkw-Fahrer würde er nicht arbeiten wollen. Das sei ihm zu stressig. Sein Kollege habe einen Brief bekommen, ob er das nicht machen wolle, lehnte aber dankend ab. Angesichts des Mangels sei es offensichtlich, „dass wir ohne Arbeitskräfte aus anderen Ländern nicht auskommen“. In der Brexit-Abstimmung stimmte er für ein Verbleib in der EU, ein Remainer also. Über 70 Prozent der damals 18- bis 24-jährigen haben damals laut Umfragen für den Verbleib in der EU gestimmt.

Im Alltag merkt man den Mangel überall

Auch für Irene Carey ist der Mangel im Alltag deutlich zu spüren. Sie lebt in Schottland und arbeitet als Sozialarbeiterin. Sie merkt es vor allem bei den Lebensmittelpreisen, der Verfügbarkeit von Lebensmitteln und bei Benzin. Sie zeigt sich verwundert, dass die Bevölkerung das alles so akzeptiere. „Menschen in Großbritannien nehmen die konservative Regierung so hin und denken, dass es keine Alternative dazu gibt.“

Auch Christoph Khakar, Ende 30, Luftfahrt-Ingenieur in Bristol, hat damals für „Remain“ und damit für die EU gestimmt. Nach dem Referendum habe er erwartet, dass das Ganze etwas sanfter ausgehe: „Ich habe gedacht, wir koppeln uns von der EU ab, aber eher wie Norwegen. Dass wir noch Zugang zur Europa haben und gute Beziehungen.“ So wie es jetzt gerade ist, das konnte er sich nicht vorstellen.



Quelle

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