Leben

Wie wollen wir leben?: Auf Nachdenkfahrt – Medien – Gesellschaft


Herr Bergmann, wer kann, soll und wer wird sich am Samstag um 23 Uhr 10 bei Arte für die Frage „Wie wollen wir leben?“ interessieren?
Wenn es nach der Relevanz der Frage geht, die hier verhandelt wird: eigentlich alle! Und wem die recht späte Sendezeit am Samstag nicht in den eigenen Spielplan passt, dem sei die Arte-Mediathek empfohlen, da steht die Sendung mit vielen begleitenden Programmen rund um die Uhr unter dem Stichwort „Wie wollen wir leben?“ zur freien Verfügung.

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Zur Beantwortung der Frage sind acht Künstlerinnen und Künstler den Main hinuntergefahren. Wer konnte für die Fahrt und die Diskussion gewonnen werden?
Ja, das ist unser kleines Traumschiff geworden. Die MS „Backschaft“ auf dem Main ist zwar bescheiden im Vergleich zum großen Unterhaltungsdampfer, aber der Anspruch dieser Nachdenkfahrt am Vorabend der Frankfurter Buchmesse war gewaltig. Acht unterschiedlichste Menschen, Publizistinnen, Künstler, Architekten sollten sich in größtmöglicher Freiheit mit den Perspektiven unseres Zusammenlebens beschäftigen. Vor dem Hintergrund einer sich für jeden spürbar grundsätzlich wandelnden Welt und beschleunigt durch die gravierende Verunsicherung im Zuge der Pandemie stellen sich viele Fragen neu und viel grundsätzlicher. Dabei hatte niemand die Erwartung, dass auf diesem kleinen Traumschiff die neue Weltformel gefunden wird. Trotzdem ist das achtstündige Symposium eine spannende Erkundungsfahrt der respektvollen Auseinandersetzung, des Diskurses und des konstruktiven Ringens um eine gemeinsame Haltung geworden, der es zu folgen lohnt.

[„Wie wollen wir leben?“, Arte, Samstag, 23 Uhr 10]

Was hat dieses Thema provoziert?
Zunächst Verunsicherung bei allen Beteiligten, weil die Frage ja eigentlich viel zu groß gewählt war, dann Streit um den richtigen Weg und schließlich ein dynamisches, konstruktives Finish, an dessen Ende eine vollgemalte Tischdecke und ein kurzes Manifest einvernehmlich präsentiert wurden.

Wolfgang Bergmann ist Koordinator Arte im ZDF und Geschäftsführer Arte Deutschland.Foto: imago images/STAR-MEDIA

Unter welcher Genrebezeichnung läuft die Aktion?
Es gab keine Moderation. Mehr als das Thema und die Bitte um ein wie auch immer geartetes Ergebnis waren die einzige redaktionelle Vorgabe. Ich weiß nicht, ob das Genre Experiment im Fernsehen überhaupt (noch) existiert, aber das war eins. Oder vielleicht eine
Talkshow mit umgekehrtem Düsenantrieb? Ich weiß es nicht.

Was vermittelt Ihnen die Gewissheit, dass hier mehr als Palaver oder parfümiertes Parlando herauskommt?
Das spezifische Gewicht und die Ernsthaftigkeit der eingeladenen Gäste. Mit Raul Krauthausen, Katharina Grosse, Mithu Sanyal, Daniel Schreiber, Van Bo Le-Mentzel, Sophia Fritz, Francis Kéré und Dmitry Glukhovsky hatten wir eine Traumbesatzung für unser kleines Schiffchen. Das hat man schon beim Kennenlernen am Vorabend im Hotel gemerkt. Und als sich tags drauf der Nebel auf dem Main am Nachmittag der Schiffsfahrt lichtete, waren alle noch an Bord, obwohl es zum Teil hoch hergegangen sein soll.

Das Ganze sieht sich an wie eine Expedition, wie ein Abenteuer, dessen Ergebnis vollkommen ungewiss ist. Das ist so mutig wie risikoreich. Sind Sie zu dem Schluss gekommen, dass es unbedingt eine Fortsetzung geben muss?
Ich sehne mich nach mehr experimenteller Form in unserem Medium. Und Arte ist dafür ein hervorragender Raum, ein co-creative workspace, wie man das neudeutsch nennt. Wir müssen neue Vorbilder für den Diskurs, den Umgang miteinander schaffen, sonst gehen wir in unseren selbst gemachten Blasen und Narrativen und Identitätsbunkern auf kurz oder lang in Schönheit unter. So eine kleine Nachdenk-Arche könnte uns da sicherlich auch in Zukunft von Nutzen sein. Mal sehen….

Die Fragen stellte Joachim Huber.



Quelle

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