Wirtschaft

Wirtschaft in Schwierigkeiten: Der Aufschwung ist in Gefahr


Explodierende Energiepreise, fragile Lieferketten, Rohstoffknappheit: Lange nicht mehr gekannte Probleme bremsen den Aufschwung. Deutschland als Konjunkturlokomotive der EU? Neue Bremsklötze behindern die Fahrt. Die Frage ist: Wie lange?

Aufschwung. Mit Volldampf raus aus dem Corona-Tal! So sollte es kommen. Vorkrisen-Niveau? Spätestens für das kommende Jahr war das lange erwartet worden. Vor allem die Nachhol-Effekte sollten es richten. Wenn die meisten Corona-Maßnahmen erst einmal zurückgenommen würden, dann würde die Wirtschaft schon wieder laufen wie geschmiert.

Mitnichten! Eine ganze Reihe überraschend auftretender Probleme machen die Hoffnung auf knallende Sektkorken mehr und mehr zunichte. Wie die Bremsklötze schnell gelöst werden können, ist unklar. Eine brisante Mixtur an Herausforderungen entsteht, die von der neuen Regierung im besonderem Maße wirtschaftlichen Sachverstand verlangt.

Steigende Energiepreise: Die Kosten für Gas und Öl explodieren – was nicht nur das Heizen, sondern alle Produkte, die weiterverarbeitet werden müssen, teurer macht. Die Speicher sind weniger üppig gefüllt als in den Vorjahren. Und weil die Produktionsanlagen zuletzt wieder hochfuhren, steigt der Bedarf. Das führt zu steigenden Preisen. Zudem müssen Industrieunternehmen Verschmutzungsrechte kaufen, wenn sie Treibhausgase in die Luft schießen. Auch die werden teurer. Als Folge der EU-Klimaschutzpolitik wird Brüssel die Zahl dieser Zertifikate in den kommenden Jahren deutlich senken. Firmen decken sich deshalb jetzt schon ein, was die Preise zusätzlich nach oben schiebt. Atomstrom aus Deutschland ist keine Alternative. Im kommenden Jahr werden die letzten deutschen Kernkraftwerke vom Netz genommen. Neue Angebotslücken entstehen.

Grüner Strom: Auch der ist Mangelware. Wetterbedingt werfen Wind- und Solarkraftwerke weniger ab als erhofft. Die Lage wird sich erst wieder entspannen, wenn es mehr Möglichkeiten gibt, grünen Strom herzustellen – was politisch gewünscht ist. Wie lange wird es dauern? Unklar. Weil Deutschland nicht genügend Wind- und Solarkraftwerke hat, um seinen Strombedarf zu decken, muss zugekauft werden. Aus Saudi-Arabien zum Beispiel, wo gerade riesige Photovoltaik- und Windkraftanlagen entstehen. Die Saudis reiben sich schon die Hände und arbeiten an Lösungen, den Strom in Wasserstoff und Ammoniak umzuwandeln, um ihn dann zu exportieren. Neue Abhängigkeiten drohen.

Rohstoffknappheit: Vor allem Autohersteller – Deutschlands Vorzeigebranche – leiden unter einem akuten Mangel an Halbleitern. Die Folge: Produktionsanlagen stehen still. Lieferzeiten werden immer länger. Manche Autobosse üben sich in Optimismus und wollen in den kommenden Monaten eine Entspannung der Lage erkennen. Aber ob das so kommt? Offen. Belastbare Indizien, dass die Halbleiterkrise schnell gelöst wird, gibt es bislang nicht.

Fragile Lieferketten: Als im März ein querstehendes Containerschiff im Suezkanal den Welthandel zum Erliegen brachte, wirkte das als einmalige Farce. Der Kanal ist längst wieder passierbar. Die Versorgungsprobleme hingegen halten an. Durch den weltweiten Nach-Pandemie-Konsumhunger gelten freie Container aktuell als Mangelware. Frachthäfen sind mit dem Löschen der sich stauenden Schiffe überfordert. Schon ist erkennbar, dass die Auswahl an Weihnachtsgeschenken in diesem Jahr schmaler ausfallen dürfte.

Noch halten sich Deutschlands Firmen mit Wehklagen zurück. Helfen würde das ohnehin nicht: Sie würden als eine verklausulierte Gewinnwarnung verstanden werden. In schwierigen Zeiten ist Zuversicht wichtig. Auch darauf, dass die Politik überzeugende Rahmenbedingungen schafft, die Klumpenrisiken beherrschbar zu machen. Bislang sind die nicht wirklich erkennbar. Auch da ist Optimismus gefragt.



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